Kennst du das? Etwas wird in deinem Leben wichtig; so bedeutsam, dass du denkst:
Das wird nie mehr verblassen!
Doch dann, mit den Gezeiten der Jahre, webt sich ein Schleier des Vergessens und die einst so helle Flamme verliert sich im Nebel der Zeit. Versickert. Versiegt.
So erging es mir mit den Fragmenten des Pythagoras.
Vor mehr als 20 Jahren lernte ich sie auswendig und ließ die Weisheit dieser Sutren in meine Zellen sinken. Möglicherweise habe ich sie verinnerlicht; vergessen habe ich sie allemal.
Doch nun erinnere ich mich … wieder.
Pythagoras wurde schon zu Lebzeiten wie ein Gott verehrt.
Ca. 570 v.Ch. auf Samos geboren, ging er als junger Mann nach Athen, nahm das antike Wissen der Griechen in sich auf. Danach zog er weiter und verbrachte Jahre in der großen Bibliothek von Alexandrien. Dort wurde er eingeweiht in die Mysterien des Hermes.
Gemeint ist Hermes Trismogistos, von dem es heißt, er sei eine Inkarnation des unsterblichen Toth, des Größten aller Atlanter, dessen Heilige Smaragdtafeln noch heute Kleinode, Juwelen der philo-sophia sind, der Liebe zur Weisheit.
Nach einem Überfall der Perser wurde er als Gefangener nach Babylon verschleppt; bald jedoch aufgrund seiner strahlenden Weisheit freigelassen. Doch er blieb freiwillig über zehn Jahre. Studierte. Er war ein ewiger Schüler.
Später ging er nach Indien und wurde mit Ehrfurcht eingeweiht in das verborgene Wissen der Brahmanen, zog weiter nach Tibet, bereiste China und kam in hohem Alter zurück nach Griechenland. Er hatte praktisch die gesamte damals bekannte Welt bereist.
Allein das ist schon eine außerordentliche Glanzleistung.
Sein Ruf eilte ihm voraus.
Bald sammelte sich eine große Schar von Anhängern um ihn, was den Stadttyrannen mißfiel. So ging er nach Oberitalien und gründete seine legendäre Mysterienschule. Er hatte die Kraft, aus den vielen gesammelten spirituellen Honigwaben seine unsterbliche pholosophie perennis zu destillieren.
Doch sofort nach seinem Tod, etwa 480 v.Ch., wurden alle seine Schüler brutal niedergemetzelt und ermordet und alle Schriften verbrannt.
Pythagoras, der Grieche, war der erste, der die Logik des Westens mit der Mystik des Ostens
zu einer Synthese verschmolz.
Der Westen ist geistige Konzentration, der Osten ist Meditation.
Der Westen ist Denken – der Osten ist Nicht-Denken.
Pythagoras vereinte beide und schuf damit ein Neues Drittes.
Osho nannte Pythagoras den ersten und einzigen Buddha des Westens.
Doch die gewöhnlichen Massen lebten in solcher Unbewusstheit, dass die Einzigartigkeit pythagoräischer Leistung weniger als nicht erkannt wurde. Sie wurde als gefährliche Bedrohung empfunden. Tausende von Schülern wurden brutal gemeuchelt. Nur ein einziger entkam. Lysis.
Ihm verdanken wir die wenigen Sutren des Pythagoras.
Auch heute, zweitausendfühfhundert Jahre später, leben Milliarden Menschen in tiefer Unbewusstheit. Wie sonst könnte es die Beschneidung der Frauen heute noch geben?,
wie sonst könnten Mädchen in China am Lande schlechter behandelt werden wie Hunde
und vollkommen wertlos sein?,
wie sonst ist zu erklären, dass zwei Drittel der Menschen keinen Zugang zu gesundem Wasser haben?, wie sonst ist zu begründen, dass 20 % der Menschen 80 % der Ressourcen verwenden und täglich Tausende und Abertausende an Hunger sterben – und gleichzeitig riesige Nahrungsmittelberge des Preises Willen vernichtet werden.
Wie sonst sollten wir das Niedermetzeln der Flora und Fauna in Amazonien begründen?, das Quecksilber im Wasser der Flüsse dort, das Elend der Natives?
Wie sonst lässt sich der Dauertanz um das Goldene Kalb erklären, der nur Alpträume gebärt?
Wie sonst …? Diese Liste ließe sich schier endlos erweitern.
Haben wir uns im Bewusstsein weitereintwickelt in all den Jahrtausenden -
oder nur in Bezug auf Technik?
Pythagoras 
sagte:
“Denn ein ehernes Gesetz bindet Kraft an Notwendigkeit.”
Diese beiden Kräfte in unserem Leben harmonisch aufeinander abzustimmen – ist die Grundbotschaft des Pythagoras.
Wenn diese beiden Gesetze in Harmonie sind, dann sind wir in Harmonie.
Dann folgt unser Körper dem Gesetz der Notwendigkeit und die Seele dem Gesetz der Kraft.
Dann folgt der Verstand dem Gesetz der Notwendigkeit und das Herz dem Gesetz der Kraft.
In dieser Balance zeigt sich der Schnittpunkt von Himmel und Erde,
von Körper und Seele,
vom Sichtbaren und vom Unsichtbaren.
“Khalwat dar anjuman” – sagten die Alten um uns zu erinnern an das Gestz der äußeren Notwendigkeit und der inneren Stille; der Nicht-Anhaftung; der Liebe; der Kraft.
So viele Jahre sind vergangen, und endlich bin ich aufgebrochen nach Samos – auf den Spuren des Phythagoras, dem Sinnbild des Nomaden der Weisheit.
Wie tief ich mich verbeuge.
Jwala ist mit mir, um dieses zeitlose Mysterium aus Notwendigkeit und Kraft in jenem Jetzt, das unser aller JETZT ist, neu zu beleben.
Das Geheimnis eines gut gelebten Lebens ebenso wie die Kunst der Manifestation offenbaren sich in der Balance von Notwendigkeit und Kraft.
Erwacht die Seele, reduziert sich der Verstand auf Notwenigkeit.
Im Erleben dieser Balance jubiliert die Seele -
und der Verstand reibt sich die Hände.
Grüße an euch alle.
Karl – euer reisender Gampripopoulos …
